November 22, 2014

Michaela Melián

Gespräch

Kunstverein München

Das Gespräch findet im Rahmen der Ausstellung REGENERATE ART statt.

Die Kuratorin Sophie Goltz wurde im Sommer 2013 zur Künstlerischen Leiterin dieses Initiativprojekts ernannt.
Ziel des Projekts ist es, den aktuellen Stand der Debatte um Kunst im städtischen Kontext zu reflektieren und zur Diskussion anzuregen. Die Stadtkuratorin soll zudem neue Formate der Ausstellung und der Kunstproduktion ermöglichen und so der Kulturszene Hamburgs neue Impulse geben.
Seit April 2014 sind auf über 450 Litfaßsäulen in allen Stadtteilen Hamburgs Plakate mit Motiven aus dem projekteigenen „Wappen“ zu sehen: Schiff, Ente und Stern. Gemeinsam mit Toledo i Dertschei wurde in Anlehnung an das Stadtwappen Hamburgs ein visuelles Zeichen entwickelt, welches Fragen des Projekts als Piktogramme und Typografie kommuniziert.
Dazu erklärt Sophie Goltz: „Wichtig in meinen programmatischen Überlegungen ist der 70. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus im Mai 2015. In der Vergangenheit sind hier viele kritische Mahnmale als Kunst im öffentlichen Raum entstanden, die jedoch – das zeigt sich heute –, sehr wohl in ein selbstgerechtes, unkritisches Weltbild der ‚geläuterten Nation‘ eingepasst werden können. Dadurch werden sie neuen, gegenwärtigen Herrschaftsformen dienlich, denen es eine andere, bessere Zukunft entgegenzusetzen gilt.“
Das internationale Programm der Stadtkuratorin mit dem Motto "Wir sind keine Enten auf dem Teich. Wir sind Schiffe auf dem Meer."* findet zwischen April 2014 und November 2015 inner- und außerhalb Hamburgs statt. Sophie Goltz verknüpft dabei aktuelle künstlerische Positionen und Diskurse zur Kunst im öffentlichen Raum mit der spezifischen Geschichte und Gegenwart solcher Kunstwerke in Hamburg.

Link: http://stadtkuratorin-hamburg.de

Michaela Melián, 1956 in München geboren, begann zunächst ein Musik-Studium, unter anderem am Richard-Strauss-Konservatorium in München, bevor sie an der Münchener Akademie der Bildenden Künste und in London Kunst studierte. Seit den 1980er Jahren ist sie Sängerin und Bassistin der Band F.S.K. (Freiwillige Selbstkontrolle) und war ab 1980 sechs Jahre lang Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift »Mode und Verzweiflung«. Als Musikerin brachte sie zudem mehrere eigene Alben heraus. Lehrerfahrung sammelte Melián außer an der HFBK Hamburg auch an der Münchener Akademie der Bildenden Künste und an der ETH Zürich, Department Kunst und Architektur.
In ihrer künstlerischen Arbeit entwickelt Melián vielschichtige Erinnerungsfelder, die komplexe Zusammenhänge aus inhaltlichen Referenzen und Zitaten herstellen. Ihre Vorgehensweise hat sie einmal als »Politik der Erinnerung« bezeichnet. Meliáns Arbeiten geht eine intensive Recherche voraus. Aus einer Vielzahl verschiedener Erzählstränge konstruiert die Künstlerin narrative Spannungsbögen, in denen historische Fakten mit privaten Erinnerungen und Geschichten kontrastieren. Objekte, Fotografien, Filme, Musik und Texte verbindet sie zu gattungsübergreifenden Installationen und audiovisuellen Projekten, deren wechselseitigen Bezüge tief in den gesellschaftspolitischen und zeitgeschichtlichen Kontext hineinwirken.
2010 wurde Melián mit dem renommierten Kunstpreis der Stadt München ausgezeichnet. Ebenfalls 2010 wurde ihr akustisches Denkmal »Memory Loops« für die Opfer des Nationalsozialismus in München eingeweiht, das von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zum Hörspiel des Jahres 2010 gewählt wurde. Das Audiokunstwerk umfasst 300 deutsche und 175 englische Tonspuren, die unter www.memoryloops.net zum Anhören und kostenlosen Herunterladen bereitstehen. Auf diese Weise legen sich die Stimmen von NS-Opfern und Zeitzeugen als permanente, unsichtbare Installation über die Stadt und bilden eine Art virtuelles Raster, das sich für immer mit der Stadt verbindet. Die Tondokumente können auf Mobiltelefonen oder MP3-Playern zu persönlichen  Erinnerungsschleifen zusammengestellt werden, denen jeder individuell durch die Stadt folgen kann. 2011 erhielt Michaela Melián den Kunstpreis der Stadt Nordhorn.


k.m
Kunstverein Münchene.V.
Galeriestraße 4
80539 München

REGENERATE ART
Kuratiert von Saim Demircan
11. Oktober 2014 – 30. November 2014

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