November 9, 2013

Julian Rosefeldt

Der Stachel des Skorpions

Sneak Preview at Villa Stuck, Munich

Luis Buñuels Film »L’Âge d’or« ist der zentrale Film des Surrealismus und grundlegend für den Einzug des Mediums Film in die bildende Kunst. Sein Einfluß auf die zeitgenössische Kunst - insbesondere auch auf erzählerische Tendenzen der letzten Jahre – ist unübersehbar. Unter dem Titel »Der Stachel des Skorpions« wagen sechs aktuelle, internationale KünstlerInnen in Form eines filmischen Ausstellungsparcours einen neuen Blick auf das surrealistische Meisterwerk. Der surrealistische Film war geprägt durch den Versuch, Film als multimediale Ausdrucksform für die bildende Kunst fruchtbar zu machen. »L’Âge d’or« versuchte dabei, eine gesellschaftliche Wirksamkeit mit radikalen, teils skandalträchtigen Mitteln zu entfalten – unter besonderer Berücksichtigung eines durch die Imagination erweiterten Wirklichkeitsbegriffs. Dies sind zentrale Merkmale, die auch wesentliche aktuelle künstlerische Positionen kennzeichnen. Sechs zeitgenössische bildende Künstler, die sich des Mediums Film bedienen, werden jeweils auf eine der sechs heterogenen Episoden der filmischen Vorlage reagieren und diese aus ihrer Sicht erneut umsetzen.

»L’Âge d’or« lädt in besonderer Form zu diesem Vorgehen ein, da der Filmverlauf dem Konstruktionsprinzip eines Cadavre exquis folgt und aus sechs einzelnen, lose verbundenen Gliedern, bzw. Sequenzen besteht. Diese sind durch unterschiedliche inhaltliche sowie stilistische Merkmale gekennzeichnet, die für die Auswahl der beteiligten Künstler entscheidend war. So wird sich der Fotograf Tobias Zielony mit der dokumentarisch anmutenden, abgründigen Skorpionszene des Filmanfangs auseinandersetzen. Die australisch-amerikanische Musik-Künstlergruppe Chicks on Speed entwickelt ihre Version heutiger Gruppenselbstdarstellung, als Pendant zu der Banditenszene mit Max Ernst als surrealistischem Bandenchef. Das deutsch-luxembourgische Duo M+M taucht ein in die aktuellen Mysterien des alten Rom. Die israelische Videokünstlerin Keren Cytter knüpft an die eigentümlichen Liebessequenzen im Mittelteil an, was der Berliner Julian Rosefeldt aus seiner Sicht fortführt. Den Schluß bildet John Bocks Variation auf Buñuels De-Sade-Groteske. In der Ausstellung werden die verschiedenen Sequenzen in einer skulpturalen Form, einem Cadavre Exquis entsprechend, miteinander verbunden zu einem begehbaren Film in sechs Räumen.

Ein Projekt des Museums Villa Stuck und des Instituts Mathildenhöhe, Darmstadt, künstlerische Leitung: M+M 


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