October 11, 2015 - January 10, 2016

Michaela Melián

Geh und spiel mit den Riesen! Kindheit, Emanzipation und Kritik

Museum Vila Stuck, München


Welche Rechte dem Kind in einer Gesellschaft zugewiesen werden, ist eine Frage der jeweiligen sozialen Ordnung und den mit ihr einhergehenden Wertvorstellungen. Der französische Historiker Philippe Ariès spricht von der Entdeckung der Kindheit ab dem 17. Jahrhundert. Bis dahin gab es wohl Darstellungen von Kindheit, jedoch war der Begriff von Kindheit, mit dem der gesellschaftliche Stand beschrieben wird, noch nicht ausformuliert. Das ästhetische Empfinden, das dem Kind und seinem Bild gegenüber hervorgerufen wird, steht unmittelbar in Zusammenhang mit den kulturellen und religiösen Narrationen, die das soziale Gefüge determinieren. Im 20. Jahrhundert, das von Ellen Key als Jahrhundert des Kindes ausgerufen worden ist, entwickelt sich eine Gesellschaft, in der das Kind eine zentrale Stellung einnimmt.

In der Ausstellung geht es um die Befragung unseres Verständnisses von Kindheit aus der Perspektive der zeitgenössischen Kunst. Im Mittelpunkt stehen Stimmen der Gegenwartskunst, die sich mit der Projektion und sozialen Konstruktion von Kindheit sowie der Emanzipation des Kindes und seiner Stellung in der Gesellschaft vor dem Hintergrund sozialer Formierungsprozesse befassen. »Erwachsene sind nur ein bisschen größer« und »das Erwachsensein letztlich eine Sache größerer Erfahrung«, sagt Hans-Joachim Gelberg, der mit »Geh und spiel mit dem Riesen« im Jahr 1971 sein berühmtes, für die Ausstellung titelgebendes Jahrbuch der Kinderliteratur herausgegeben hat. Zu sehen sind künstlerische Arbeiten unter anderem von Aura Rosenberg, Rosemarie Trockel, Josephine Pryde, Jeff Koons, Thomas Eggerer und Heimo Zobernig, die sich mit der Konstruktion und Reflexion von Kindheit auseinandersetzen und spezifische Fragestellungen von Kreativität und Moderne, Politik und Geschichte, Körper und Raum sowie Medien und Pop thematisieren.

»Geh und spiel mit dem Riesen!« ist eine Einladung an Kinder und Erwachsene, sich mit Fragen des Kindseins zu beschäftigen, zu diskutieren und sinnlich zu erfahren. Entlang von fünf Themenbereichen wird ein Parcours durch die Ausstellung entwickelt, in deren Mittelpunkt ein von der Künstlerin Mirjam Thomann entworfenes Display steht, das die Arbeiten der internationalen Künstlerinnen und Künstler zusammenführt. Es ist zugleich Präsentationsfläche, bespielbare Struktur, Barriere sowie skulpturales Objekt.
Themen der Ausstellung: Erziehung – Natur und Ökonomie / Biopolitik – Primitivismus und Regulierung / Monster – Affekt und Trauma / Digitalität – Information und Kapitalismus / Protest – Geh und spiel mit dem Riesen

»Geh und spiel mit dem Riesen!« bietet Besuchern und Besucherinnen aller Generationen die Möglichkeit, die Ausstellung ebenso visuell wie über eine aktive Auseinandersetzung an »Arbeitsinseln« wahrzunehmen, die den einzelnen Themen zugeordnet sind. Zur Ausstellung erscheint ein ausführlicher Katalog im Kerber-Verlag, gestaltet von dem Künstler Johannes Porsch, der sich, wie auch die Ausstellung, gleichermaßen an Kinder und Erwachsene richtet.

Eine Ausstellung des Museums Villa Stuck. Kuratorinnen: Eva Maria Stadler, Anne Marr

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