November 8, 2014

Yorgos Sapountzis

Performance
Hofgartenarkaden vor dem Kunstverein: 8. November 2014, 17 Uhr

Als Yorgos Sapountzis in diesem Jahr einige Zeit in München verbrachte, erregten diese Landschaften Griechenlands sofort sein Interesse. Sie bilden nun die Grundlage seiner gleichnamigen Ausstellung. Dabei geht es nicht um eine Neuinterpretation des Rottmann-Zyklus und seiner Geschichte. Sapountzis interessiert sich vielmehr dafür, wie die Szenerie eines Ortes seine Bewohner beeinflusst und – etwas vereinfacht gesagt – wie die Vergangenheit in der Gegenwart verankert ist. Beispielsweise wird bei den Arkaden immer auf Rottmann verwiesen, kaum jemand aber erwähnt Richard Seewald, der die Fresken, die jetzt dort zu sehen sind, geschaffen hat. Sapountzis setzt – so ließe sich vor dem Hintergrund seiner Methodik sagen – die Reihe künstlerischer Neuinterpretationen dieser Landschaften in die Gegenwart fort. Indem er mit großer Beharrlichkeit auch die gegenwärtige Version dieser Landschaftsdarstellungen berücksichtigt, stellt er der einseitigen akademischen Fixierung auf die Rottmann-Originale eine neue, frische Sichtweise gegenüber. Gerade weil er Seewalds Fassung in seinen eigenen Werken fortführt, distanziert er sich von der bisher gängigen Rezeption, wodurch ihm eine interessante Neubewertung gelingt: Die Geschichtslastigkeit verschiebt sich zugunsten einer beiläufigen Ästhetik.
Die Neuinterpretation dieser Landschaften bildet den Ausgangspunkt für neue Werke, die Sapountzis als „Abschlussarbeiten“ bezeichnet. Durch diesen Prozess und die von ihm verwendeten Materialien – aufgespannte bunte Stoffe, schlauchförmige Metallstäbe und Videodokumentationen – findet zugleich eine ironische und indirekte Auseinandersetzung mit seiner ursprünglichen Heimat, seinem Geburtsort Griechenland, statt, die auf dem fremden, nicht dem eigenen Blick basiert.

Yorgos Sapountzis, Poster for performance Die Landschaften Griechenlands – the tour, 2014, 
fabric, news paper, drawing ink, pins, coins

»

Impressum