Ausstellung 30. Januar - 28. März 2009
In der dritten Ausstellung mit João Penalva zeigt die Barbara Gross Galerie neue Fotoarbeiten des portugiesischen Künstlers.
João Penalva ist für seine kontemplativen Videoerzählungen und Installationen bekannt. Die Filme sind ein komplexes Zusammenspiel von Bild, Sprache, Ton und Text, die unsere Rezeptionsgewohnheiten in Frage stellen. Penalva filmt aus einer einzigen festen Kamera-perspektive. Dazu werden Geschichten meist in Sprachen, die im Westen nicht sehr verbreitet sind, von Stimmen aus dem Off vorgetragen. Der Künstler kombiniert bewusst Bild und Sprache aus unterschiedlichen Orten, Kulturen und Kontexten. Das verlangt Aufmerksamkeit und fordert die Bereitschaft, die Text-Bild-Scheren zu überwinden.
Penalvas Fotografien werden oft von Texten begleitet, die sich wie eine in sich geschlossene Erzählung lesen. Die Ausstellung zeigt Sumiko (2009), das Portrait einer Japanerin in Rückenansicht.
Der begleitende Text erzählt eine Geschichte über das Gesicht der Frau, das wir in der Abbildung jedoch nie sehen. Der Künstler spielt hier mit der Ambiguität der Herkunft von Bild und Text. Ist es eine Aufnahme von ihm selbst, zeigt es wirklich Sumiko, ist ihre Geschichte wahr - oder Fiktion?
In seiner neuesten Fotoserie verzichtet Penalva auf ergänzende Texte und vertraut auf die in den Bildern verborgenen Geschichten. In der Oper des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden wirft er Blicke hinter die Kulissen und auf den Kostümfundus. Er zeigt Brokatschuhe, Pumps und verschlissene Lederstiefel, Clownskostüme, Uniformen, verhüllte Kleider, Kunstpelze. Penalva geht dabei dicht an seine Motive heran, zeigt ausschließlich Details, ohne jedoch den Kontext der Umgebung aus den Augen zu verlieren. So gewinnen seine Aufnahmen einen schnappschussartigen, flüchtigen Charakter. Auf den Fotografien sind keine Menschen zu sehen, doch erahnt man den geschäftigen Betrieb des Theaters und spürt den Flair der Bühne. Die Bilder besitzen die Zeitlosigkeit alter, gefundener Fotografien, vermitteln ein Gefühl von Nostalgie. Kostüme und Schuhe wirken wie stumme Akteure aus früheren Zeiten, sind gleichsam Zeugen ungesehener Aufführungen.
Die Ausstellung zeigt außerdem drei großformatige Künstlerbücher, in denen sich Geschichten aus Fotos entwickeln, die von einem einzigen Filmstill/Standfoto aus einem britischen Film der 40er Jahre stammen, von einer in Schweden gefundenen Fotografie aus dem frühen 20. Jahrhundert und einer Gruppe von Penalvas eigenen Fotografien aus Taipei.
Die Narrativität seiner Arbeiten basiert einzig auf den Vorstellungen des Betrachters. Der Künstler agiert weniger als Geschichtenerzähler, sondern als Geschichtenerzeuger - "I provide the characters, the set, the props, but the viewer enables the narrative."
João Penalva zeigt uns mit seinen Bildern mehr, als sichtbar ist.