Sabine Hornig
 

"Vorhang 3"
Ausstellung vom 25. November 2005 - Februar 2006

Die Berliner Künstlerin Sabine Hornig hat für ihre erste Ausstellung in München mit Vorhang 3 ein spezielles Projekt für die Galerie entwickelt. Die Räume werden von ihr umgebaut, mit dem Einzug einer neuen Wand gleichsam in einen früheren Bauzustand zurückversetzt. Eine Wand stellt wieder zwei Räume her. Ein durchsichtiges Großdia zwischen Glasscheiben ist als Fenster eingebaut. Der Blick fällt in einen schmalen Raum, der von einem dünnen Vorhang vollständig verhängt ist. Dahinter erscheinen Häuser und ein auf der Straße parkendes Auto. Sabine Hornigs Fenster täuscht einen Blick von Innen nach Außen vor. In Wirklichkeit zeigt das Bild jedoch eine Aufnahme von außen in ein Schau-fenster mit Vorhang, auf dem sich Himmel und die städtische Umgebung spiegeln. So entsteht die Illusion einer großen Blick-Perspektive.

Auch der Galerieraum hinter dem Fenster wird wegen der Transparenz des Fotos im Bild sichtbar. Geht man in den zweiten Raum auf die andere Seite des Fensters, blickt man durch das gleiche Bild in den gerade verlassenen Raum, nimmt das Bild zusammen mit einer anderen räumlichen Situation wahr. Zusätzlich mag sich auch der Betrachter in der Glasscheibe spiegeln oder ein Besucher auf der anderen Seite des Glases erscheinen.

In den Fotoinstallationen von Sabine Hornig überlagern sich Ansichten und Blickrichtungen auf mehreren Ebenen und verschmelzen zu einem Bild, dessen räumliche Dimension nicht wirklich erfasst werden kann, da sich Abbild und Durchsicht auf einen realen Raum vermischen.

Neben eingebauten Fensterbildern gibt es auch raumunabhängige Fotoarbeiten.
Der Blick fällt durch deutlich sichtbare, meist mehrfach gegliederte Fensterrahmen in leere Schaufenster und unrenovierte Räume, wie man sie in Berlin typischerweise finden kann. Zunächst nimmt man den Raum des Schaufensters mit einigen architektonischen Details wie Bodenbrettern, gekachelten Wänden, usw. wahr, dann wird die Spiegelung der anderen Straßenseite sichtbar und überlappt sich mit dem Bild des Innenraums. Zuletzt erkennt der Betrachter das reale Fensterglas und den Fensterrahmen mit seinen Kratzern, Fingerabdrücken oder anderen Gebrauchsspuren. Die gleichzeitige Präsenz fesselt und verwirrt zugleich.

Sabine Hornigs Fotografien, immer präzise, scharf, detailgenau, streben kühle Sachlichkeit an. Durch die Vielschichtigkeit der abgebildeten Ebenen gewinnen sie eine faszinierende malerische Qualität.